Homöopathie und Eilenburg oder Washington und Leipzig

Was haben der deutsche Arzt Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann, zu dessen Andenken ein imposantes Monument in Washington unweit des Weißen Haus errichtet wurde, der ein beeindruckendes Denkmal auf dem Prominentenfriedhof Pere Lachaise in Paris bekommen hat und dessen Statue in Leipzig auf dem Richard-Wagner-Platz steht, und Eilenburg gemeinsam? Wer war eigentlich der so bekannte und geehrte Doktor Hahnemann? Und welchen Zusammenhang gibt es zwischen der bekannten Heilmethode Homöopathie und der Nordsächsischen Stadt Eilenburg?

Der deutsche Arzt Dr. Samuel Hahnemann gilt als Begründer der Homöopathie, einer Heilmethode der inzwischen Millionen Menschen vertrauen, die sich in alle Welt verbreitet hat und in unzähligen Ländern tagtäglich angewendet wird, auch wenn das von ihm entdeckte Ähnlichkeitsprinzip und die Arzneimittelgaben in hohen Verdünnungen immer wieder für kontroverse Diskussionen sorgen. Dennoch ist die Erfolgsgeschichte der Homöopathie beispielsuchend. Hahnemann war Zeit seines Lebens ein Kämpfer und glühender Verfechter für seine Sache, der er sich ganz verschrieben hatte und die sein gesamtes Leben bis zum Schluss bestimmte.
Samuel Hahnemann, ein wissbegieriger und zielstrebiger Forscher, ein Freigeist, streitbar und unbeirrbar, nichts konnte ihn auf seinem Weg aufhalten. Seine Heilmethode war für ihn alles und er verteidigte sie vor Gott und der Welt.

Biografisches zu Samuel Hahnemann

Hahnemann, am 10. April 1755 in Meißen geboren, fiel schon zeitig durch seine Begabungen auf. Trotz widriger Bedingungen erhielt er eine Schulbildung und studierte in Leipzig, Wien und Erlangen Medizin. 1779 erhielt er seinen Doktortitel. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von der Unzufriedenheit über die vorherrschenden Behandlungsmethoden und seinen unermüdlichen Forschungen zu Heilmittel und deren Einsatz. Soviel glühende Anhänger er hatte, soviel Widersacher und Feinde hatte er auch. Er stellte mit seinem Heilungsansatz das gängige schulmedizinische Bild völlig auf den Kopf und zettelte damit eine regelrechte Revolution an.

Nichtsdestotrotz konnte der Siegeszug der Homöopathie nicht aufgehalten werden. Bevor Dr. Hahnemann zu Ruhm kam, seine Lehre an der Universität in Leipzig unterrichtete und sein Ruf auch über die Landesgrenzen hinaus ging, führte er ein entbehrungsreiches und ruheloses Leben. In diese Zeit der Wanderschaft durch Mitteldeutschland fällt auch sein Aufenthalt in der Stadt Eilenburg.

Bis zum Jahre 1805, also etwa 25 Jahre lang wechselte er beständig seine Wohnorte aus den unterschiedlichsten Gründen und war in 20 Orten kurzfristig beheimatet, bevor er eine längere Schaffensperiode erst in Torgau, dann in Köthen hatte. Seinen Lebensabend verbrachte er in Paris, wo er 8 Jahre lebte und im Alter von 88 Jahren starb.

Auf seiner Wanderschaft war Eilenburg, an der vereinten Mulde gelegen, seine vorletzte Station. 1801 übersiedelte er in das uns benachbarte Städtchen Machern und im selben Jahr ließ er sich in Eilenburg nieder. Hier findet er sehr viel Zuneigung und eine große Schar an Patienten. Er blieb bis 1804 in Eilenburg wohnhaft. Zunächst wohnte die Familie zur Miete und hatte etlichen Ärger mit dem Vermieter, angeblich wegen der Lärmbelästigung durch seine Kinder. Hahnemann veranlasste einen Neubau und noch im Winter 1801 zog die Familie ein. Leider gibt es keine Unterlagen mehr zum genauen Standort des Hauses.

In Eilenburg schreibt Hahnemann zum ersten Mal Krankenjournale

In der Eilenburger Zeit entstand sein erstes dokumentiertes Krankenjournal, dem danach noch viele folgten. Es stellte eine Aufzeichnung aller behandelten Patienten dar. Dieses erste Journal umfasst die Jahre 1801-1803. In diesem Zeitraum behandelte Dr. Hahnemann in Eilenburg 997 Patienten und kommt damit auf 2930 Konsultationen, weiterhin war er schriftstellerisch tätig.

Er arbeite akribisch weiter an der Ausformulierung seiner neuen Heilkunst und der Erforschung seines entdeckten Ähnlichkeitsprinzipes. Aus welchen Gründen Samuel Hahnemann Eilenburg wieder verließ ist nicht bekannt. Im Jahre 1804 zog er nach Schildau, aber schon kurze Zeit später, im Januar 1805 übersiedelte er nach Torgau, wo er endlich einige Jahre zur Ruhe kam. Als Arzt und durch die Veröffentlichung grundlegender Werke zur Homöopathie machte er hier von sich reden.

Homöopathie heute

Damit hatte dieser außergewöhnliche Wegbereiter, der für eine weltweite Verbreitung der Homöopathie sorgte, hier in Eilenburg eine mehr als dreijährige Schaffenszeit, feilte an der Vervollkommnung seiner Heilmethode, bevor er kurze Zeit später endgültig zu Berühmtheit kam.

Noch heute kann man die Krankengeschichten in den Krankenjournalen, sorgfältig aufbewahrt in den Museumsarchiven der Stadt, exakt nachlesen, von Menschen die hier in Eilenburg und im Umland gelebt haben. Noch heute ist seine Art der Behandlung genauso gültig wie damals. Eine Heilmethode die 200 Jahre überstanden hat, ohne dass sich ihre Grundsätze je verändert haben, sucht ihresgleichen. Vor Hahnemanns brillantem Geist kann man sich nur verneigen und es darf eine Stadt wie Eilenburg schon mit Stolz erfüllen, dass dieser Arzt hier für einige Zeit sein Zuhause fand.

Quelle: Samuel Hahnemann - Biographie von Jütte, Robert